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Wohngemeinschaft in Belgien: Pakt, Solidarhaftung, Auszug eines Mitbewohners

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Von Espero AKPOLI

Veröffentlicht am 17. März 2026

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Wohngemeinschaft in Belgien: Pakt, Solidarhaftung, Auszug eines Mitbewohners

Eine Wohngemeinschaft ist nicht einfach eine Miete zu mehreren. Seit der Regionalisierung des Wohnungsmietrechts haben Brüssel und Wallonien eine eigene WG-Regelung geschaffen, mit einem besonderen Vertrag und einem Pflichtdokument zwischen den Mitbewohnern. Flandern ist einen anderen Weg gegangen: kein eigener "WG-Vertrag", sondern präzise Regeln zur medehuur — dem Eintritt und Austritt eines Mitmieters. Die praktischen Folgen unterscheiden sich, und das muss man vor der Unterschrift wissen.

Ein gemeinsamer Mietvertrag oder mehrere einzelne?

Zwei Konstruktionen bestehen nebeneinander, und sie binden völlig unterschiedlich.

Der gemeinsame Mietvertrag (ein Vertrag, alle Mitbewohner unterschreiben). Das ist die vorherrschende Form bei einer WG in Wohnung oder Haus. Sie sind alle Mieter des gesamten Objekts. Es ist auch die Form, in der die Solidarhaftung greift.

Einzelmietverträge (ein Vertrag je Zimmer zwischen Eigentümer und Bewohner, Gemeinschaftsräume zur gemeinsamen Nutzung). Sie mieten nur Ihr Zimmer und haften grundsätzlich nicht für die Schulden der anderen. Das ist das Modell von Zimmervermietungen und vielen Studentenbuden.

Die Frage, die Sie dem Eigentümer zuerst stellen: "Ist das ein gemeinsamer Vertrag mit Solidarklausel oder ein Einzelvertrag je Zimmer?" Die Antwort ändert alles.

Die Solidarklausel: was sie wirklich bedeutet

In einem gemeinsamen Mietvertrag bedeutet die Solidar- bzw. Unteilbarkeitsklausel, dass jeder Mitbewohner für die gesamte Miete und die Nebenkosten einsteht, nicht nur für seinen Anteil. Das ist keine Floskel.

Konkret: 1 200 € Miete, vier Mitbewohner, je 300 €. Zahlt einer nicht mehr, kann der Eigentümer 1 200 € von einem beliebigen der drei anderen fordern — von dem, den er für am solventesten hält — ohne zuerst den Säumigen belangen zu müssen. Wer zahlt, muss sich anschließend selbst an den säumigen Mitbewohner halten. Kurz: Die Solidarhaftung verlagert das Insolvenzrisiko vom Eigentümer auf Sie.

In den Brüsseler und wallonischen WG-Regelungen ist die Solidarität zwischen Mitbewohnern die Regel. In Flandern sind Mitmieter, die denselben Vertrag zusammen unterschreiben, ebenfalls gemeinsam gebunden. Der praktische Schluss ist überall derselbe: Man wählt seine Mitbewohner nicht leichtfertig. Sie teilen nicht nur eine Küche — Sie teilen eine Schuld.

Der WG-Pakt

In Brüssel wie in Wallonien verlangt die besondere Regelung den Abschluss eines WG-Pakts zwischen den Mitbewohnern, getrennt vom Mietvertrag. Der Eigentümer ist nicht Partei: Es ist eine Vereinbarung unter Ihnen.

Er regelt, was der Mietvertrag ausblendet:

  • die Aufteilung von Miete und Nebenkosten (gleiche Anteile oder nach Zimmergröße gewichtet);
  • die Mietkaution: wer wie viel eingezahlt hat und wie der Ausziehende entschädigt wird;
  • ein Inventar des gemeinsamen Mobiliars und wem es gehört;
  • Instandhaltung und Reinigung der Gemeinschaftsflächen;
  • die Hausregeln: Gäste, Lärm, Tiere;
  • das Verfahren bei Auszug: interne Kündigungsfrist, Suche nach einem Nachfolger, wie über dessen Einzug entschieden wird;
  • die Versicherungen (Feuer- / Mieterhaftpflicht, oft gemeinsam abgeschlossen).

In Flandern schreibt das Dekret einen solchen Pakt nicht vor; verfassen Sie ihn trotzdem. Ein von allen unterschriebenes Blatt verhindert die meisten Konflikte und gilt als Beweis unter Mitbewohnern.

Der Auszug eines Mitbewohners: das eigentliche Thema

Hier weichen die Regionen am stärksten voneinander ab, und hier ist Genauigkeit nötig.

Der gemeinsame Grundsatz. Wer auszieht, muss kündigen — gegenüber dem Eigentümer und den übrigen Mitbewohnern, beiden. Und er muss in der Regel einen Nachfolger suchen. Nehmen die anderen Mitbewohner und der Eigentümer diesen an, übernimmt er den Vertrag und der Ausziehende ist befreit.

Der wunde Punkt: Was, wenn es keinen Nachfolger gibt? Die regionalen Texte sehen dann vor, dass der ausziehende Mitbewohner für einen begrenzten Zeitraum nach seinem Auszug solidarisch gebunden bleiben kann — die Logik: den Eigentümer nicht von heute auf morgen mit einer gekürzten Miete allein zu lassen. Die Dauer dieser Frist und dieser Resthaftung unterscheidet sich je nach Region und Vertragsart (WG als Hauptwohnsitz, Studentenmietvertrag, Kurzzeitvertrag). Verlassen Sie sich nicht auf Hörensagen: Lesen Sie Ihren Vertrag und prüfen Sie die Frist bei Bruxelles Logement, SPW Logement oder Wonen in Vlaanderen, je nach Region der Wohnung.

Zwei rettende Reflexe:

1Schriftlich. Eine WG-Kündigung erfolgt schriftlich, datiert, an alle — Vermieter und Mitbewohner. Eine Nachricht in der WhatsApp-Gruppe ist keine Kündigung.
2Entlastung unterschreiben lassen. Sobald ein Nachfolger angenommen ist, verlangen Sie einen vom Eigentümer unterzeichneten Nachtrag, der Sie ausdrücklich aus der Solidarhaftung entlässt. Ohne dieses Schriftstück können Sie für eine Miete haften, die Sie seit sechs Monaten nicht mehr zahlen.

Und die Kaution? Sie bleibt bis zum Vertragsende gesperrt. Der Ausziehende bekommt "seinen" Anteil nicht von der Bank zurück: In der Praxis kauft der Nachfolger den Anteil ab. Der WG-Pakt muss das schwarz auf weiß regeln.

Wohnsitz, Status als Zusammenwohnender, Nebenkosten

Der Wohnsitz. Jeder Mitbewohner meldet sich bei der Gemeinde unter der Adresse an. Das ist Pflicht, keine Option: Ihr Hauptwohnsitz muss dort sein, wo Sie tatsächlich leben.

Der Status als Zusammenwohnender. Das ist die am wenigsten verstandene und teuerste Folge. Zu mehreren an einer Adresse zu wohnen kann Ihren Status in der Sozialversicherung ändern — Arbeitslosengeld, Eingliederungseinkommen — denn der Satz "zusammenwohnend" liegt unter dem Satz "alleinstehend". Beziehen Sie eine Leistung, erkundigen Sie sich vor dem Einzug bei Ihrer Auszahlstelle oder dem Sozialamt: Die Frage ist nicht theoretisch, und eine Korrektur wirkt rückwirkend. Manche Regionen und Gemeinden behandeln gemeinschaftliches Wohnen inzwischen milder; setzen Sie nichts voraus, fragen Sie nach.

Die Nebenkosten. Legen Sie von Anfang an fest, ob sie pauschal (fester Monatsbetrag) oder tatsächlich (Vorauszahlungen plus Jahresabrechnung nach Rechnungen) sind. In einer WG sind tatsächliche Kosten gerechter, verlangen aber, dass jemand Buch führt: Benennen Sie im Pakt eine verantwortliche Person. Die Zähler (Wasser, Strom, Gas) werden bei jedem Ein- und Auszug abgelesen — datiert und fotografiert.

Was Domilinko für eine WG tut

Domilinko ist eine Vermittlungsplattform: Sie hilft, das Objekt zu finden und sauber zu bewerben — nicht, Ihr Zusammenleben zu verwalten.

  • Die wiederverwendbare Mieterakte gilt auch in der WG: Jeder erstellt sie einmal, mit Einkommen und etwaigem Bürgen, und hängt sie an die Bewerbung.
  • Eine Bewerbung friert eine datierte Momentaufnahme jeder Akte ein: Der Eigentümer sieht die Finanzkraft der Gruppe so, wie sie am Tag des Versands war.
  • Die Nachrichtenfunktion hält den Schriftverkehr mit dem Eigentümer fest — nützlich, wenn ein Nachfolger anerkannt werden muss.
  • Das kontradiktorische Übergabeprotokoll (zeitgestempelte Fotos, Zählerstände, Unterschriften beider Parteien) und die zeitgestempelte Schlüsselübergabe schützen die ganze Gruppe bei der Rückgabe.

Was Domilinko nicht tut: die Miete eines Mietvertrags einziehen, Ihre Kaution stellen, Zahlungsausfälle eines Mitbewohners garantieren oder einen Streit unter Ihnen schlichten. Die Solidarhaftung regeln Sie mit dem Eigentümer — und im Pakt.

Checkliste vor der Unterschrift

1Gemeinsamer oder Einzelvertrag? Solidarklausel: ja oder nein, und wie formuliert?
2Ist der WG-Pakt geschrieben, unterschrieben und auf dem Stand der tatsächlichen Besetzung?
3Wer hat wie viel Kaution eingezahlt, und wie wird der Ausziehende ausgezahlt?
4Welche Kündigungsfrist, und welche Resthaftung ohne Nachfolger? (In Ihrer Region prüfen.)
5Pauschale oder tatsächliche Nebenkosten? Wer führt Buch?
6Feuer- / Mieterhaftpflichtversicherung: auf wessen Namen?
7Wohnsitz: welche Auswirkung auf die Leistungen jedes Einzelnen?

Eine WG, die gut läuft, ist fast immer eine, in der diese sieben Antworten schon vor dem Einzug schriftlich vorlagen.

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Espero AKPOLI

Gründer · Spezialist für Vermietung zwischen Eigentümern und Mietern

Als Unternehmer arbeite ich daran, das Mieten in Belgien einfacher und fairer zu machen. Hier teile ich konkrete Leitfäden zu Bewerbermappe, Mietkaution, Energieausweis, Übergabeprotokoll und Mietvertrag — für Mieter wie für Eigentümer.

Häufig gestellte Fragen

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